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Prainha

     do Canto Verde

ca. 1990

Die erste Fischerfamilie hat sich Mitte 19. Jahrhundert in Prainha do Canto Verde niedergelassen.

 

Die Fischer an der brasilianischen Küste im Nordosten lebten damals wie heute vom Langustenfang, aber erst seit etwa 1930, gewann die Languste an kommerziellem Wert. Doch entlang der flachen Küste sind die Jangadas der Fischer für den kommerziellen Langustenfang geeignet: Das Meer mit ihrem Habitat ist an der Küste sehr seicht.

 

Die Langustenbänke sind bis heute rund um die Häfen zwischen Fortaleza und Recife konzentriert und erzeugten in den 1950er Jahre einen grossen Handelsüberschuss für Brasilien. 

"Langustenkrieg" wird manchmal  ironischerweise der Konflikt zwischen Frankreich und Brasilien in den frühen 1960er Jahren über den Fang der Krustentiere genannt.

 

Frankreich verlor damals seinen Status als Kolonialmacht und damit seine afrikanischen Fischgründe für die unterdessen weltweit beliebten Langusten.

Französische Fischer wichen nach Mittel und Südamerika aus.

Der Konflikt wird im Jahr 1961 mit der brasilianischen Entscheidung angeheizt, seine exklusive Fischereizone für französische und internationale Schiffe zu verbieten. 1962/63 werden einige Langustenfangboote gekapert.

 

Präsident de Gaulle schickte 1963 Kriegsschiffe in die Gegend, um seine französischen Fischer zu schützen.

Brasilien konterte, die Presse spielte das ganze hoch, doch nach einer kurzen Periode der Spannungen , dann Verhandlungen wurde der Konflikt schließlich friedlich beigelegt. Die brasilianische Regierung beorderte ihre zehn Kriegsschiffe, die wegen des »Langustenkrieges« mit Frankreich alarmiert worden waren, in die Heimathäfen zurück.

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Die lokalen brasilianischen Fischer hatten allerdings wenig davon, waren sie doch abhängig von Grossabnehmern und ihre finanzielle und soziale Situation war desolat.

 

In den 70iger/80iger Jahren verschlechterte sich ihre Situation noch drastischer unter der Militärdiktatur. Damals wurden die ersten flachen Motorboote für den Langustenfang subventioniert; die Langusten-Piraterie war geboren.

 

In Prainha lebte man noch in Strohhütten und sozialen Einrichtungen wie Schulen waren im einzigen Backsteinhaus untergebracht, und noch gab es kein Gemeindehaus, wo sich die Fischer versammeln konnten.

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Obwohl damals von einem lokalen Priester unterstützt, änderte sich der desolate Zustand erst langsam, als der damalige Schweizer, René Schärer, erst in Prainha do Canto Verde, wo er sich niederliess, später an der ganzen Küste in Ceará anfing, die Artesanalen Fischer zu organisieren. Vor Ort gründete er mit Hilfe von Stiftungen eine Schule, organisierte die Aus- und Fortbildung der Lehrer, medizinische Versorgung und generell praktische Kurse für die Einwohner. Dadurch entstand die erste Generation Jugendlicher mit qualitativ guter Schulbildung. Die Kindersterblichkeit wurde von fast 30% auf Null gesenkt. Das es das Fischerdorf als solches überhaupt noch gibt, ist sein Verdienst. Damit machte er sich nicht nur Freunde. Mehrfach erhielt er Drohungen, wurde vor Gericht gezerrt. Heute lebt er nach längerer Krankheit zurückgezogen in Prainha.

Prainha 1989

Eine seiner ersten grossen Aktionen war das Wiederaufleben historischer Traditionen. So regte er die Wiederholung einer historischen Regatta aus dem Jahr 1941 an. Damals hatten die Fischer lange Reise auf einem lokalen Fischerboot - einer Jangada -  von Fortaleza bis nach Rio de Janeiro entlang der Küste unternommen. Unterwegs hielten sie häufig an, um auf ihre sozialen Probleme und die Problematik der Überfischung aufmerksam zu machen. Diese Reise bekam viel Aufmerksamkeit.

Sogar der amerikanische Filmdirektor Orson Wells, der im Auftrag der amerikanischen Regierung während des zweiten Weltkrieges Brasilien auf einer Goodwill-Tour besuchte, war von der Idee der Reise fasziniert und versuchte, vor Ort die Original-Geschichte filmisch nachzuvollziehen.

it s all true

Lokal einflussreiche Unternehmer und Politiker haben es seit 40 Jahren auf dieses paradiesische Fleckchen Land abgesehen, um daraus ein Ziel für den Massentourismus zu machen, wie es im nahegelegenen Canoa Quebrada geschehen ist.

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In den 80er Jahren versuchten sie erstmals, mit gefälschten Landtiteln die damals 1100 Dorfbewohner zu vertreiben.

Im Nachhinein wurde bekannt dass ein Oligarch aus Fortaleza  dahintersteckt, Tales de Sá Cavalcante, der  am Rande des Dorfes eine illegale Luxusvilla am Strand gebaut hat.

Die Prainhaner wehrten sich. Sie hatten erlebt, wie in Canoa Quebrada die Fischer ihre Strandhütten billig an Investoren verkauften, ihre Lebensgrundlage verloren und fortan nur noch als Fotomotive oder Gepäckträger die Brosamen abbekamen. Ihre Kinder waren  Prostitution und Drogen ausgesetzt.

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2004

Aber Massen-Tourismus ist nicht die einzige Problematik des Fischerdorfes Prainha do Canto Verde;

Eines der strukturellen Probleme damals wie heute ist die Wahlbestechung. Ein paar Kilometer asphaltierte Strasse, Anschluss ans Stromnetz und Strassenbeleuchtung sind nicht selbstverständlich. Prainha bekam das alles erst 1998 – als Wahlgeschenk. Bis zu den nächsten Wahlen gab es keine Erweiterung der Infrastruktur mehr. So funktioniert brasilianische Politik bis heute.

Leider hat nach der Jahrtausendwende die Drogenmafia Einzug ins Dorf gehalten. Die Provinzhauptstadt Fortaleza - nur zwei Stunden Autofahrt entfernt - ist einer der wichtigsten Drogenumschlagplätze Südamerikas geworden. Auch die Fischerjugend hat Bekanntschaft mit Crack und anderen Drogen gemacht. Das führte zu einigen Einbrüchen und Überfällen, ja sogar zu Mord. Einige wurden ins Gefängnis gesteckt. Das schien abschreckend genug, um die Situation etwas zu beruhigen aber das Drogenproblem ist dadurch nicht gelöst und in einer Gegend ohne staatliche  soziale Unterstützung und Therapien, sind Eltern hilflos.

2014: Dokumentarfilm über die Problematik in Prainha do Canto Verde

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2000

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2006

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2010

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