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Landreservat
                         (Teil des"RESEX") 

Da heute die Probleme der zusammengbrochenen Langustenfischerei weniger dringlich geworden sind, rückt die Verteidigung der Landreservate inmitten einer grossartigen Dünenlandschaft in den Vordergrund.

Reservierung von Landparzellen sind im "RESEX"  illegal

Noch vor ein paar Jahren war die Einzäunung von Parzellen kein Thema gewesen. Während der Pandemie nahm sie überhand, da staatliche verordnete Covid Quarantäne die Kontrollen behinderte.

 

Die laut "RESEX" Regeln Illegalen Landverkäufe müssten rückgänig gemacht, die Landreservierungen für Nachkommen der Einheimischen von den staatlichen Kontrollorganisationen "Chico Mendes" & "ICMBio" zusammen mit dem lokalen „Beirat“, dem "Conselho", kontrolliert werden. Illegal gebaute Ferienhäuser müssten eigentlich abgerissen werden.

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Bis die gesetzlich verankerten staatlichen Kontrollen wieder regelmässig aufgenommen werden, wird es wohl noch etwas dauern. Der desolate Zustand des lokalen Büros der staatlichen Kontrollorganisationen

"Chico Mendes" & „ICMBio" spricht Bände.  (Bild)

Der letzte Rapport in Sachen illegaler Landvekäufe in Prainha auf der Info-Seite von "Chico Mendes" ist von 2016:

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Das Gemeinwohl steht in Prainha nicht mehr im Vordergrund, die Jugend ist nicht mehr mit dem Kampf um das "RESEX" vertraut. Nun sind die einstigen, eher europäischen Ideen zur Erhaltung und Gestaltung des Dorfes nicht mehr gefragt. Der damalige Pionier René Schärer, ein Mann mit Schweizer Wurzeln, der mehr oder weniger im Alleingang das "RESEX" in Brasilia durchgebracht, eine Schonzeit-Entschädigung für die Langusten Fischer erkämpft, das lokale Tourismus-Projekt weltweit als Vorbild bekannt gemacht hat, ist nun über 80 Jahre alt, krank und vom Dorfgeschehen abgeschnitten. Immer noch wird er mit juristischen Klagen der "RESEX" Gegner bedroht.

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Der Oligarch Tales de Sé Cavalcante, seit 2002 ein UNESCO-dotierter „Wohltäter“ gilt in seiner Heimatstadt Fortaleza als einflussreicher Unternehmer. Ihm gehört eine z.B. für die Prainhaner unbezahlbare Ausbildungsstätte, die ironischerweise Jugendliche von öffentlichen Schulen auf eine Universitätskarriere vorbereiten soll.

 

Obwohl mittlerweile an die 80 Jahre alt, gehört er noch immer zur alteingesessenen Elite im Bundesstaat Ceará mit grossem Einfluss auf Politik und Justiz. Schon1980, während der Militärdiktatur, erwarb er illegal Papiere, um auf sog.„terra grelhada“ - geklauter Boden - in Prainha eine Villa zu bauen. Inzwischen behauptet er, über die Hälfte des Landes von Prainha zu besitzen. Zwar verlor er diesbezüglich einen Prozess, wurde aber trotzdem nach der Gründung des Land- und Meerreservates („RESEX“) 2009 vom Staat Ceará entschädigt.

Das hält ihn freilich nicht davon ab, den ideologischen Zerfall der Dorfgemeinschaft in Prainha zu beschleunigen. Er bestach Nachbarn, gründete und finanzierte "inoffiziell" einen zweiten, neuen Gegen-Einwohnerverein, der gegen den alten Verein intrigiert und die Gemeinschaft spaltet, indem er versucht, das 2009 zum Schutzgebiet erklärte "RESEX" gerichtlich wieder aufzuheben. Sein Einfluss auf die Jugend, Dorfschule und Bildung ist gross.

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Lindomar Lima

Vertreter des "alten, ursprünglichen " Einwohnervereins in Prainha 

Vor 20 Jahren gehörte er zu den  jugendlichen Kämpfern der erster Stunde für das "RESEX» und besuchte soziale Weltforums in ganz Brasilien. Vor einem Jahrzehnt bewarb er sich erfolglos für ein Amt in der lokalen, undurchsichtigen Politik.

Anschliessend kehrte er reumütig in sein Dorf zurück und wurde Fischereipräsident, obwohl er seit seiner Jugend nicht mehr auf dem Meer war.

Auch schiebt er die Hauptschuld an den lokalen Drogenproblemen ausländischen Prainha-Touristen in die Schuhe.

Jaila Fernandez

Lehrerin 

Auch sie verpflichtet sich seit ihrer Jugend zusammen mit ihren Eltern dem Kampf ums "RESEX". Nach dem Besuch von Videokursen postete sie als Jugendliche jahrelang im Netz Videos über Prainha. Kennt Europa von Verwandten-Besuchen. 

Heute ist sie völlig desillusioniert, was die Zukunft des "RESEX" betrifft!

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2014

Das ehemalige Vorzeigedorf hat nun genug von den Fragen der Journalisten und Wissenschaftler. Lindomar Lima sprach in seiner Rolle als "Repräsentant" zusammen mit der Lehrerin Jaila Fernandez als einer der wenigen vor der Kamera; Seine Erklärung, warum illegale Einzäunungen und Verkäufe von Landparzellen derart überhand genommen haben, zeigt die Hilflosigkeit und Ohnmacht der "RESEX" Verteidiger  gegenüber der grassierenden Gesetzlosigkeit auf.      (Neues Video)

Lokalpolitik Ceará  2022:

Im Staate Ceará sind alte Seilschaften schwer zu beseitigen, was schon ein Video-Ausschnitt aus dem DOK "Zoff im Paradies" zeigt. (siehe Video)

 

Auch im sog. alten, ursprünglichen Einwohnerverein hängt der Haussegen schief: Es hat sich eine Art Führungs-Oligarchie einer einzigen Familie aus Prainha gebildet. 

Das bestätigte die deutsche Anthropologin Carolin Brugger schon 2009 in einer Arbeit.

                      (siehe)

Zwar sind die „oligarchen" Familienmitglieder des alten Einwohnervereins durch und durch "RESEX" Vertreter, und dies von Anfang an. Doch kann man ihnen Nepotismus vorwerfen. Alternierend werden sie entweder ins Präsidium oder in den Vorstand gewählt. Auch beanspruchen sie einen Grossteil der der Reisespesen für Kurse und besuchen als alleinige Kongresse. 

Drastische Auswirkungen:

Hausverlust und Räumungsbefehl

Der Oligarch Tales griff schon früh mit seinen "RESEX" Auflösungs-Ideen auch auf die Dorfschule über; Nachdem der damalige Schuldirektor "Dedé" Costa Ferreira diesem Ansinnen gemeinsam mit dem Elternverein 2018 eine Absage erteilt hatte, wurde trotzdem ein Befürworter der RESEX-Auflösung zum neuen Leiter und Dedé zum Lehrer heruntergestuft. Ausserdem erliess ein Richter Anfang 2019 einen Räumungsbefehl für Dedés Privathaus.  

Hintergrund ist ein alter Landstreit. Nach dem Tod des ursprünglichen Eigentümers wurde anfangs 2000 ein Teil des Grundstücks von den Erben an einen Portugiesen verkauft, doch nach der Gründung des "RESEX" verbot ein gerichtliches Embargo jegliche Transaktionen in Prainha do Canto Verde. Das Grundstück wurde verlassen; 2003 erhielt Dedé die Erlaubnis des damals alten Bürgervereins, darauf zu bauen. 

Daraufhin versuchte der ursprüngliche Käufer, das Grundstück samt Haus zu beanspruchen; der Fall wurde aber nach mehreren Jahren archiviert und 2019 wieder ausgegraben, ohne den Lehrer Dedé davon zu informieren oder ihm eine Chance auf Verteidigung zu geben. Der Richter, der das Urteil erliess, steht unter Korruptionsverdacht und wurde in vorzeitigen Ruhestand versetzt. Unklar ist, ob dies nur ein privatrechtlicher Konflikt ist oder dazu dienen soll, das "RESEX" und die Dorfgemeinschaft als Ganzes zu schwächen. Glücklicherweise haben sich nun einige Menschenrechtsanwälte der Sache angenommen und konnten 2019 Dedé's Räumungsbefehl vorerst aussetzen.

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Die juristische Rangelei um Dedé's Haus pausierte während der Pandemie. Doch jetzt wünscht sich Dedé sobald wie möglich ein Urteil  - wie immer es auch ausfallen mag. Die Ungewissheit macht ihm und der Familie mehr und mehr zu schaffen. Allerdings haben sowohl er wie Lindomar nach der Wahl von „Lula“ als Staatsoberhaupt wieder neue Hoffnung geschöpft: 

Denn neben den beiden sich konkurrierenden Einwohnervereinen wurde in Prainha das sog."Conselho", eine Art externer "Beirat", neu mit Vertretern beider Vereine, für zwei Jahre gewählt und ist nach der Pandemie wieder aktiv. Mitglieder sind je eine Vertreterin der Frauengruppe, ein Vertreter der Fischer, der Handwerker, des Gesundheitswesens. Sie sollen den staatlichen Organen mit lokalen Vorschlägen zur Seite zu stehen.

Theoretisch ist der „Conselho“ eine gute Idee. Er ermöglicht es den verschiedenen Interessengruppen, mitzubestimmen, wie die Dinge im "RESEX" Reservat laufen sollen; so hoffen jedenfalls Lindomar und seine Mitstreiter. 

 

Zusammen mit der staatlichen Kontrolle gegen den illegalen Landverkauf erwarten sie, dass man im Kampf um den Erhalt des "RESEX"  gelegentlich wieder Oberhand gewinnen kann!

Ob das so wirklich klappt, ist fraglich: Der neu-alte Präsident „Lula“ muss sich erst mit einem überwiegend Bolsonaro-treuen Senat und Unterhaus zusammenraufen, vor allem, wenn es um die Fragen von Umweltschutz und Erhalt der brasilianischen "RESEX" geht. 

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Das am zweitstärksten entwaldete "RESEX" Gebiet des Amazonas hat z.B. 185 Tausend illegale Rinder und nur 2 Strafklagen.                         Siehe in Portugiesisch:

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