Land- und Waldgrabbing

Charlotte Eichhorn

Seit der spanischen Eroberung werden die Guaraní von ihrem ursprünglichen Land vertrieben. Eigenmächtig erließen die neuen Herren Landtitel und vergaben immense Landflächen an Adlige und Siedler, die der Krone und der Kolonialverwaltung nahestanden. Die Guaraní wurden gewaltsam vertrieben, umgebracht oder gleich als Sklaven mit dem Land mitverkauft. Im 19. Jahrhundert wurden dann verstärkt europäische Siedler angeworben, um das Land in abgelegenen Gegenden urbar zu machen und zu besiedeln. Auch diese vom Umfang her kleineren Vertreibungen gingen auf Kosten der Guaraní. Ihre Kultur und ihre Gebräuche wurden verspottet, ihre Gesetze missachtet, ihre Rechte mit Füßen getreten.

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Ihre Kultur und ihre Gebräuche wurden verspottet, ihre Gesetze missachtet, ihre Rechte mit Füßen getreten.

Mitwirkende:

Jorgelina Duarte

ist Mby'a-Guaraní, und Delegierte des Guaraní-Dachverbandes CCNAGUA.

Vice-Cacique (Häuptling) ihrer Gemeinde in Misiones, Argentinien.

Ihren Lebensunterhalt verdient sie als Lehrerin in einer zweisprachigen Mb'ya- Guaraní Schule.

Ihr kürzlich verstorbener Großvater war einer der bekanntesten Schamanen der Mby'a-Guaraní.

Sie vermisst ihn sehr.

Cacique (Häuptling)

Hilario Acosta wurde als Kind aus seinem Dorf Capij Tapui im Wald vertrieben.​Heute lebt er und seine Mby'a-Guaraní-Gemeinde in Takuapi, ausserhalb der Ansiedlung eines Schweizer Auswanderer-Dorfes Ruiz de Montoya in Misiones/ Argentinien. ​Er wird von Dra. Mariana in seinen Bemühungen unterstützt, wenigstens den Friedhof seiner Ahnen in seinem ehemaligen Dorf unter Schutz zu stellen.

Die Schamanin

Andrina Gonzalez
wohnte in einem Wald in Paraguay. Dieser wurde abgebrannt, um darauf Soja-Monokulturen anzupflanzen. Auf der Suche nach einem neuen Lebensraum wanderte das komplette Dorf über die Grenze nach Argentinien. So landeten sie in Dra. Marianas Gemeinde Ruiz de Montoja. ​Es dauerte lange, bis ihre staatenlose Existenz mittels Rechtshilfe legalisiert wurde.

Gerónimo Ayala
ist Mby'a-Guaraní, der erste indigene Architekt,
Gründer der ersten indigenen Partei in Paraguay,
Bei den Wahlen im April 2018 kandidierte er für den Senat, verpasste aber nur knapp die notwendigen 50.000 Stimmen.
Er wurde auch Vertreter einer neuen Generation indigener AktivistInnen in Paraguay
Forum GRAMO:
​Er wurde als Kind aus seinem Dorf vertrieben, als dort ein Staudamm gebaut wurde.

Mario Borjes

ist Mb'ya-Guarani,

Gesundheitsassistent,

Indigener Repräsentant und Mediator zwischen seiner Gemeinde und der

"weissen Welt" in Misiones, Argentinien.

Tino Martinez 

ist ein Mby'a-Guaraní-Aktivist aus der Gemeinde Arroyo Cora in Paraguay. Weil er sich gegen die Landübernahme durch Großgrundbesitzer wehrte, wurde er bedroht und musste mit seiner Familie und der ganzen Gemeinde nach Argentinien fliehen. Heute finde er sich in unserer Welt nicht mehr zurecht, ist depressiv, lebt provisorisch mal hier, mal dort und wandert mit seiner Familie zwischen Argentinien, Paraguay und  Brasilien hin und her.

Bartomeu Meliá, 

ist Jesuitenpater und gilt als einer der besten noch lebenden Guaraní-Experten.

Seit 1954 lebt er in Paraguay, verbrachte immer wieder lange Zeitspannen in verschiedenen Guaraní-Dörfern, auch in Brasilien, nachdem er 1976 ein paar Jahre des Landes verwiesen wurde, weil er ein Massaker an Indigenen publik machte.
Für ihn sind die Guaraní die „Theologen des Waldes“.

Dr. Javier ist Arzt,

glücklicherweise ein toller Nachfolger von Dra. Mariana
mit ausgeprägtem Interesse für die Mby’a-Kultur.

 

Dra. Mariana

ist argentinische Ärztin mit Schweizer Wurzeln, mittlerweile pensioniert.

Sie war über 20 Jahre lang verantwortlich für den Bundesstaat Misiones im Nordosten Argentiniens,  die medizinische Versorgung Mby'a-Guaraní-Gemeinschaften zu gewährleisten.

 

Weil sie die Guaraní auch sozio-politisch unterstützt, wird sie von lokalen Politikern bedroht und gemobbt.

Ein grafisches Beispiel

für die Abholzung und den Verlust des ursprünglichen Waldes aus dem Grenzgebiet zwischen Paraguay, Argentinien und Brasilien. Hier kam erschwerend der Bau des Itaipu-Stauwerks hinzu, das 1974 begonnen und 1991 endgültig fertiggestellt wurde. Für die Talsperre wurde zehntausende Hektar Regenwald abgeholzt, rund 40.000 Menschen, vor allem Guaraní, wurden umgesiedelt.

Ein aktuelles Beispiel aus Paraguay:

Ähnlich widerrechtlich verschenkte die Regierung während der Diktatur von 1960 bis 1989 knapp acht Millionen Hektar Land an verbündete Militärs, Politiker und Geschäftsleute. Das ist rund ein Drittel der landwirtschaftlich nutzbaren Oberfläche. Paraguay hat die höchste Landkonzentration Lateinamerikas: 1,6% der Bevölkerung besitzen 80% des Nutzlandes.

Die Landfrage ist das dringlichste Problem der Guaraní. Immer wieder bereisen Guarani-Anführer Europa auf der Suche nach politischer Unterstützung für ihr Anliegen. Meist werden die Besuche finanziert von Organisationen wie Survival International oder dem Indigenen-Missionsrat der Katholischen Kirche in Brasilien (CIMI). Internationaler Druck ist aus ihrer Sicht enorm wichtig, um den andauernden Menschenrechtsverletzungen Einhalt zu gebieten.

Wiederansiedlung

 

Dra. Mariana hat es nach jahrzehntelangem Bemühen fertiggebracht, mit Hilfe von Spenden und NGOs aus der Schweiz in Argentinien 132 ha Wald für eine Wiederansiedlung von vertriebenen Mby’a- Guaraní aus Paraguay zu organisieren. Wir haben die Gemeinden besucht und uns erkundigt, wie es ihnen ergeht in einer fremden Umgebung, aber glücklicherweise in einem der wenigen intakten Primärwälder die es in Argentinien noch zu kaufen gab.

 

Kann das eine Patentlösung sein, und wenn ja, woher könnte das Geld dafür kommen und wer stünde da in der Pflicht?

 

Die Chronik eines Waldkaufes: