Bartomeu Meliá

von Charlotte Eichhorn

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Geboren 1932 auf den Balearen (Spanien) ist Jesuitenpater Bartomeu Meliá spezialisiert auf Ethnologie und Linguistik und gilt als einer der besten noch lebenden Guaraní-Experten. Seit 1954 lebt er in Paraguay und verbrachte immer wieder lange Zeitspannen in verschiedenen Guaraní-Dörfern. Er hat mehrere Bücher über Sprache, Kultur, Geschichte und Spiritualität des Volkes verfasst. Für ihn sind die Guaraní die „Theologen des Waldes“.

Bartomeu Meliá;

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Moises Bertoni

von Charlotte Eichhorn

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Agronom, Meteorologe und Anthropologe, emigriert Moises Bertoni 1882 mit einer Gruppe von Bauern aus dem armen Tessiner Bergtal nach Missiones, Argentinien. Seine ursprüngliche Idee, dort ein Bauernkollektiv aufzubauen, scheitert trotz indigener Hilfe kläglich am Klima, am unfruchtbaren Boden und an unzufriedenen Mitstreitern.

Doch so schnell gibt der Tessiner nicht auf. Mit seiner Großfamilie und seinen indigenen Helfern zieht er weiter nach Paraguay, wo er als Agronom arbeitet. Daneben gründet 1894 auf Wunsch des Präsidenten in Asuncion eine staatliche Landwirtschaftsschule, deren Leitung er übernimmt. Dank seiner politischen Kontakte erwirbt er unweit der Wasserfälle von Yguazu ein riesiges Stück Land  und gründet dort die Forscherkolonie ‘Guillermo Tell’.

 

Die Guaraní, die sanftmütigen Ureinwohner dieser Gegend, schließt Bertoni rasch in sein Herz. Er sieht in ihnen und ihrer Kultur ein Vorzeige-Beispiel für einen anarchistischen Sozialismus, ein im Europa des 19. Jahrhunderts politisch heiß diskutiertes Modell. „Der Begriff Eigentum existiert für die Guaraní nicht”, ist Bertoni beeindruckt: “Sie verstehen sich nicht als Besitzer von Land, Natur  oder Gütern, sie haben lediglich das Recht zu deren Nutzung.“

 

So entdeckt Bertoni auch die Süßpflanze Stevia. "Ein kleiner, wenige Millimeter großer Blattschnipsel hinterlässt im Mund über eine Stunde lang einen süßen Geschmack; wenige Blätter süßen einen starken Kaffee oder Tee", schreibt er.

“Der Begriff Eigentum existiert für die Guaraní nicht”

 

Ganz Patriarch, ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse seiner Familie, die sich seinen Ideen und wissenschaftlichen Arbeiten uneingeschränkt einfügen muss, pflanzt er auf seinem Gelände Bäume aus aller Welt, reist viel, startet ein Labor und seine eigene Druckerei, um seine wissenschaftlichen Werke zu veröffentlichen. Nach etwas mehr als drei Jahrzehnten stirbt er vereinsamt und verarmt; seine Familie ist in alle Winde zerstreut und hat ihn verlassen.

 

Bei den Guaraní ist er heutzutage einerseits verhasst, weil er der ganzen Welt von der Steviapflanze erzählt und sie so frei verfügbar gemacht hat, anderseits verehren sie ihn als Chronisten ihres Volkes.

Bertonis Schriften: