Luis Guevara,

 

ehemaliger Gouverneur, Kakaoexporteur.

"Als in den 80er Jahren der Bürgerkrieg in Peru tobte, war die Schlacht im VRAEM-Tal besonders blutig. Nur wenige Familien wohnten hier.

"Schikanen gegen legale Produzenten".

 Von den Reichen erpresste die Guerilla des Leuchtenden Pfades eine Kriegssteuer. Die ärmeren Bauern mussten sie versorgen oder sogar ihre Kinder geben, um sie zu Guerillakämpfern ausbilden zu lassen. Es gab keine staatliche Präsenz, keine Infrastruktur und praktisch keine Verbindung zur Außenwelt. Deshalb haben wir uns in Selbstverteidigungsgruppen organisiert.

Unsere einzige Finanzierungsquelle war der Drogenhandel. Wir hatten Kontakte zu den kolumbianischen Drogenkartellen. Mit ihrem Geld konnten wir Waffen kaufen und die Guerilla schlagen. 

Sobald der Leuchtende Pfad besiegt war und seine Führer im Gefängnis waren, kam der Staat zurück. Aber der Drogenhandel blieb und korrumpierte die Institutionen. Ich war damals Gouverneur und habe immer wieder versucht, die Beziehungen zwischen der Mafia, der Polizei und den Politikern zu unterbrechen. Es war vergeblich, das Einzige, was ich erreichte, waren Drohungen.

Gerüchte verbreiteten sich schnell in ganz Peru, dass man im VRAEM-Tal gutes Geld verdienen könnte. Seit Mitte der 90er Jahre gibt es einen großen Zustrom von armen Familien aus dem Hochland. Fast alle von ihnen bauen Koka an, denn das ist der schnellste Weg, um Geld zu verdienen. Aber niemand ist daran interessiert, hier langfristig zu investieren. Das Geld fließt in die größeren Städte, vor allem nach Lima, wo die Familien Häuser und Geschäfte kauften.

"Aber der Drogenhandel blieb und korrumpierte die Institutionen."

Leute wie ich haben es schwer. Die Kokabauern sind gut organisiert, gut vernetzt und haben Führer, die bereit sind, Gewalt anzuwenden. Sie sind nicht an alternativen Produkten interessiert. Nach so vielen Jahren Koka-Anbau ist der Boden arm und völlig nährstoffarm. Wenn du etwas anderes anbauen willst, musst du zuerst den Boden regenerieren. Aber das kostet Zeit und Geld. Und wie sollen die Bauern in der Zwischenzeit überleben?

 

Hier könnte man theoretisch exzellente exotische Früchte und Kakao anbauen. Vor allem die biologische Produktion hat ein enormes Potenzial. Aber die Bauern müssten sich selbst organisieren, um eine hervorragende Qualität zu gewährleisten und in größeren Mengen zu exportieren. Denn es gibt nicht einmal einen lokalen Markt. Obst und Gemüse werden von Lima, Ayacucho und Cusco ins VRAEM-Tal gebracht. Das ist verrückt, aber natürlich im Interesse einiger politisch gut vernetzter Großhändler. Ich exportiere Kakao, aber die Kosten für Transport und Sicherheit sind sehr hoch. Benzin ist rationiert, und ich brauche viele Papiere und Genehmigungen, um meine Produkte aus dem Tal zu bekommen. Ich muss die Ware mit zwei- und dreifach versiegelten Schlössern sichern, damit der Fahrer, die Sicherheitskräfte oder die Mafia keine Drogen reinschmuggeln. Man weiß nie, wer hier im Tal für wen arbeitet.

Im  Jahr 2008 finanzierten die Vereinten Nationen eine Fabrik für die Verarbeitung von Palmherzen in Pichari. Die Idee war, den lokalen Produkten einen Mehrwert zu verleihen und die Bauern zu motivieren, den Anbau von Koka aufzugeben. Aber als die Unterstützung der UNO nachließ und es keine Hilfe mehr durch spezialisierte Techniker gab, gaben die Bauern schnell auf. Die Genossenschaft, die für die Fabrik verantwortlich war, geriet in Schwierigkeiten, weil einige ihrer Führer Geld unterschlagen haben. Jetzt ist die Fabrik praktisch stillgelegt. Die Bauern würden es gerne reaktivieren, aber der Bürgermeister und die Landesregierung haben ihnen bürokratische Hindernisse in den Weg gelegt. Sie erfinden absurde Vorwände, um die Betriebsgenehmigung zu verweigern, zum Beispiel, dass die Fabrik nur für die Verarbeitung von Palmherzen gebaut wurde, obwohl sie für die Verarbeitung von Obst und Gemüse jeglicher Art verwendet werden könnte.“

"Man weiß nie, wer hier im Tal für wen arbeitet."