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Ein interkultureller 
    Polit-Krimi

Wenn ein Indigener Bürgermeister werden will

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Seit seiner Jugend erhob Kazike (Häuptling) Marcos selbstbewusst seine Stimme in Europas Kirchen und Schulen. Damals erzählte er vom ideologischen Kampf der Xukuru um ihre Eigenständigkeit, ihre Lebensweise, ihre Spiritualität weiterführen zu können, aber vor allem vom blutigen Kampf, ihr angestammtes, traditionelles Landin einem vom Staat anerkannten Reservat zu schützen. 

 

Heute berichtet er vor umweltpolitischen Gremien, Universitäten, internationalen Kulturveranstaltungen, der UNO in Genf, im brasilianischen Senat von weiteren Diskriminierungen, trotz erreichtem Reservat-Status. 

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2020 mischte er die lokale Politik ausserhalb des Reservates auf.

Knapp ausserhalb des Xukuru Reservats liegt die Provinzstadt Pesqueira im Staat Pernambuco. Dort wohnen ca.70 000 Brasilianer, darunter viele Grossgrundbesitzer - Faziendeiros - die seit jeher die Gesetze zu ihren Gunsten biegen, die Stadt regieren. Sie befinden sich mit den Xukuru seit Jahrzehnten in direkter Konfrontation.

Kazike Marcos hat nun bei der Neuwahl des Bürgermeisteramts 2020 in Pesqueira  kandidiert. Laut Zeitungsberichten sieht er sich nicht nur als Indigener, sondern auch als Bürger von Pesqueira, der seinen Beitrag als Brasilianer nicht nur für sein Xukuru Reservat leisten will.

Er hat den Wahlkampf praktisch eigenfinanziert, fast im Alleingang bestritten. Im Nov 2020 gewinnt er knapp aber unumstritten mit legalen 51,6 % der Stimmen; 

"Der Sieg von Kazike Marcos -dem ersten indigenen gewählten Bürgermeister Brasiliens,- stellt ein Fortschritt dar!"

„Inmitten der Covid-19-Pandemie sind die Wahlen 2020 ein zivilisatorischer Fortschritt für unsere Demokratie. Wir, die indigenen Völker, haben die Wahlurnen legal erobert. Der Sieg von Kazike Marcos, dem ersten gewählten indigenen Bürgermeister Brasiliens, stellt ein Fortschritt dar," betont die Exekutivkoordinatorin von Apib, Sonia Guajajara (vom Volke der Arariboia, Maranhão).

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Kazike Marcos, Häuptling der Xukuru:   

Marcos Luidson de Araújo ist etwas über 40 Jahre alt, seit 2000 Häuptling der Xukuru do Ororubá, einer indigenen Nation mit etwa 20 000 Mitgliedern, die in einem geschützten Reservat leben, verteilt auf 24 Dörfer.

Er hat in den mehr als 20 Jahren seiner Führung den Xukuru viele Fortschritte der "weissen Welt" und deren Einbeziehung in ihre Kultur ermöglicht. Unter anderem kümmerte er sich um eine bessere Gesundheitsversorgung, Schulbildung, baute zwei grosse „Langhäuser“, in denen sie sich versammeln, ihre Sitzungen, ihre Zeremonien, Schulungen, Multimedia-Konferenzen abhalten.

 

Eines der hallenartigen „Langhäuser“ wurde nach dem Programm "Buen Vivir“ getauft, deren Umwelt- und Lebens-Ideologie sie aus Ecuador von Alberto Acosta übernommen haben.

Ihre Pferde haben die Xukuru längst gegen Pferdestärken eingetauscht, die Jugend ist stolz auf ihre Wurzeln, mit denen sie sich identifizieren und für deren Spiritualität, deren Lebensphilosophie, deren Regeln des Naturschutzes sie sich einsetzen.

https://www.youtube.com/watch?v=ZYZi5xCqvNQ

Seit die Xukuru ihre eigene Videofirma gründeten, sind sie vor allem auch durch Kazike Marcos unübersehbar in den Sozialen Medien präsent. Er verbreitet ihre Kämpfe und Anliegen international.

Sein Amt als Bürgermeister kann er trotzdem nicht antreten; Kazike Marcos bekam interkulturelles Polit-Verbot!

 

Die Diskussion über die Auslegung des dahingehenden Gesetzes (Ficha Limpa) geht auf das Jahr 2013 zurück, begann aber eigentlich schon Jahrzehnte vorher: 

                                                                                                            Charlotte Eichhorn war damals dabei:

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2003

Eine mörderische Vorgeschichte:

Die Xukuru sind seit jeher Selbstversorger in den Hügeln des bras. Staates Pernambucos. Auf ihrem sehr fruchtbarem Boden wächst alles, und da es an der Grenze des semi-ariden Tropengebietes der Trockenzone liegt, hat es mehr Regenfälle: Der Grund warum das Land der Xukuru bei den alten Oligarchien, den Faziendeiros, begehrt war und immer noch ist.

"Der Kampf der Indigenen geht immer um ihr Land" sagt Dona Zenilda, Mutter von Marcos:

Die Xukuru wurden das erste Mal vor etwas mehr als 350 Jahren entdeckt, als sie sich gegen die portugiesischen Einwanderer wehrten. 

Ein Friedensvertrag wurde geschlossen: die Xukuru traten 5000 ihrer Krieger an die portugiesische Armee ab, liessen sich bekehren und bekamen als Gegenleistung das Verspechen über ein Xukuru Reservat.

Der Vertrag wurde aber nie eingehalten; die Xukuru wurden verjagt, versklavt, es war ihnen untersagt ihre Sprache und traditionellen Riten zu pflegen.

Landkonflikte sind seit dem 17. Jahrhundert bekannt, als die portugiesische Krone die "Sesmarias" einführte. Mit diesem kolonialen Rechtsinstrument wurde die Verteilung von Land für die landwirtschaftliche Produktion vereinheitlicht. Über Jahrhunderte vervielfachte die Oligarchie von Pesqueira die Übernahme des Xukuru-Landes für ihre Monokulturen und extensive Viehzucht. Das funktionierte bis Anfang 1980, als die Xukuru anfingen, um ihr Land als anerkanntes Reservat  zu kämpfen.

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Am 20. Mai 1998 musste der damals 19 Jahre alte Marcos mitansehen, wie sein Vater, politischer Aktivist und Xukuru Häuptling Kazike Chicão, in der Provinzhauptstadt Pesqueira wegen Land-Übernahme-Streitigkeiten mit Viehzüchtern, den Faziendieros, brutal ermordet wurde. Der Kazike Chicão spielte vor seiner Ermordung ein Jahr zuvor eine führende Rolle beim Kampf um die Durchsetzung der Gründung des Reservats und wird bis heute von den Xukuru als Befreier verehrt.

Ausschnitte aus dem DOK: "Blutgetränkte Erde" 2006

https://www.charlotte-eichhorn.com/indigene-menschenrechte

Chicãos Sohn Marcos wurde von Kindesbeinen an auf seine Rolle als Kazike vorbereitet. Da er bei seines Vaters Tod aber erst 19 Jahre alt war, befand Dona Zenilda, -die in der indigenen Männerwelt immer im Hintergrund agierte,- und der Rat der Xukuru ihn für die Führung der Xukuru zu jung. Ausserdem wurde Marcos Familie weiter bedroht.

Aus Sicherheitsgründen wurde Marcos in eine Schule nach Sao Paulo und ins Ausland gesandt.

Die von Marcos Vater gegründete Kommission des Xukuru-Reservats brauchte auch Zeit, um sich nach seinem Tod intern zu reorganisieren und die Geschichte aufzuarbeiten. Sie wollte eine demokratische, fundamentale Rechtsprechung innerhalb der Gemeinden aufbauen, die neue 12 Köpfige Xukuru-Ratsführung wählen.

Der dann interim gewählte Kazike der Xukuru - Chico Quelé - wurde drei 3 Jahre nach dem Attentat von Chicão, bei einem Meeting mit den Viehzüchtern in Pesqueira von denselben hingerichtet - ohne weitere Strafverfolgung.

2000 wurde Marcos daher zum Kaziken erhoben. 

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Dank internationalen Verbindungen wurde die "Matriarchin" Dona Zenilda 2003 als Anerkennung für ihr Engagement als Beraterin und internationale Botschafterin ihres Xukuru Volkes zu einer der „1000 Friedensfrauen weltweit“ ernannt, die für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen wurden.

https://www.1000peacewomen.org/de/netzwerk/1000-friedensfrauen/suche/zenilda-maria-de-araujo-1861-27.html

Die Ehre, eine der Friedensfrauen zu sein,​ gab ihr damals wenigstens einen gewissen internationalen Schutz. Trotzdem war sie in Pesqueira in Gefahr und fadenscheiniger Verdächtigungen ausgesetzt,  musste jahrelang jede Nacht andere Schlafstätten finden.   

 

Erst 2004 wurde einer der 3 Attentäter des Kaziken Chicão gefasst - ein Pistoleiro ( Auftragskiller) namens José Libório Galindo - und zu 19 Jahren Gefängnis verurteilt. 

2003

Der Drahtzieher des Verbrechens am Kaziken Chicão, war jedoch der unterdessen verstorbene Rancher José Cordeiro de Santana aus Pesqueira. 

7 Verwandte des damaligen Vizepräsidenten von Brasilien waren unter den 18 Faziendeiros, die vor der Gründung des Xukuru Territoriums das Land durch Xukuru Sklaven bewirtschafteten liessen und bis heute trotz einer entgegengenommen staatlichen Abgeltung gegen sie agieren.

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Religiöser Tourismus:

          Ursprung von Kazike Marcos heutigen Polit-Problemen

Irgendwie scheint sich die Geschichte zu wiederholen. Gedungene, schiesswütige Freibeuter „Pistoleiros" bedrohten die Gegend früher, wie auch heute:

 

1936 kam in der Gemeinde Pesqueira das Gerücht auf, dass sich eine Bande von mordenden Lampião (eine Art Freibeuter) der Region Cimbres nähere, die am Fuße des Berges "Serra do Ororubá“ ausserhalb  von Pesqueira liegt.

Zwei Mädchen, die trotz der gefährlichen Bedrohung zum Papaya-Pflücken auf den Gipfel des „Ororubá“ stiegen, erschien die " Liebe Frau von den Gnaden"  und die Kinder baten die katholische Heilige um Schutz.

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Die Xukuru waren -und sind- weder an Planung noch an Einkommensmöglichkeiten des religiösen Tourismusprojekts beteiligt. 

Die lokale Forscherin Letícia Loreto Quérette hat alte Anekdoten gesammelt, die besagen, dass die Kinder die Heilige auch um Schutz der Stadt Pesqueira gebeten hätten und prompt zogen die Lampiãos ohne Schaden anzurichten weiter. Die gute Nachricht verbreitete sich schnell und machte damals die Region zu einem Ziel für Pilger aus ganz Brasilien, die auf der Suche nach Wundern waren, auch wenn der Vatikan diese Begegnung nie anerkannte.

50 Jahre später anerkannte der rechtsradikale lokale Bischof von Pesqueira, Dom Manoel Palmeira, das Zeugnis der beiden Kinder.  Zusammen mit geschäftstüchtigen Faziendeiros aus der Gegend und dem damalige Bürgermeister stieg er zwei Jahre vor der Gründung des Xukuru Reservats in ein religiöses Tourismusprojekt ein.

 

Trotzdem die Xukuru ihre eigene Göttin fast am selben Ort des Berges Ororubá verehren, behinderten sie den anfangs überschaubaren Pilgerstrom nie.

Dann plante der Bürgermeister den Bau von Pilger-Hotels, von Parkplätzen für fünftausend Autos und grosse, klimatisierte Reisebusse die die Pilger direkt zum Wallfahrtsort bringen sollten. All das auf dem 2003 offiziell bestätigten Xukuru Gebiet, was ihn wenig kümmerte. Natürlich musste eine neue Kirche her, ein Heiligen-Museum, sowie die Verbreiterung und das Asphaltieren einer Autostrasse. Die Arbeiten sollten offiziell von der Banco do Nordeste und der Interamerikanischen Entwicklungsbank (Bird) finanziert werden. Der Bischof hingegen wollte nur unter der Bedingung einsteigen, dass seine Kirche diesen Tourismus im Alleingang durchführe. Die Ein- und Ausreise der Touristen, Hotels, die Busse für die Massen, kleine Souvenirläden mit Reliquien, dies alles würde durch die Hände der lokalen Ordensleute gehen.

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Die Ureinwohner im unterdessen legalen Xukuru-Reservat waren weder an Planung noch an den Einkommensmöglichkeiten beteiligt. Grossangelegte neue Infrastrukturen wie Ausbau der Strassen und Hotels wollten sie auf ihrem Gebiet sowieso nie zulassen: Der 12 köpfige Rat der Xukuru hatte lange vorher beschlossen, nur das schon vor ein paar Jahrhunderten gerodete Land als Selbstversorger zu nutzen, ansonsten sollte das Land unberührt bleiben: Sie sehen sich als Wächter ihrer Mutter Natur.

Ausschnitte aus einer Messe: 2006

Die Xukuru haben seit ihrer aufgezwungenen Bekehrung durch die Portugiesen vor mehr als 350 Jahren ein ambivalentes Verhältnis zum Katholizismus. Wie so viele Urvölker haben sie erst heimlich, heutzutage offen, ihre eigenen Rituale mit der katholischen Messe vermischt und fühlen sich beiden Religionen verpflichtet. Das macht die heutige politische Situation nicht einfacher!

Eine Rede des Kaziken Marcos fängt meist so an:

Ich danke vor allem Gott und der Mutter Gottes des "Serra do Ororubá" unserer Mutter Tamain, dafür ......

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Die Xukuru wurden Jahrzehnte lang vom indigenen freundlichen Befreiungs-Theologen Bischof Dom Pedro des benachbarten Staates Mato Grosso unterstützt. Aber auch er konnte damals die den Urvölkern feindlich gestimmte lokale und kirchliche Oligarchie nicht umstimmen.

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2003

Xukuru gegen Xukuru: 2003

                               Attentat auf den jungen Kaziken Marcos

Die tourismus-begeisterten Faziendeiros aus Pesqueira benutzten damals wie heute die alte Taktik um einen Keil in das Xukuru Volk zu treiben: Sie kauften 4 Familien aus dem Dorfe Cimbres im Reservat, am Ausgangspunkt der Wallfahrten.

Dann im Febr. 2003 gab einer der bestochenen Xukuru aus Cimbres - José Lourival Frazão - Schüsse auf den im Auto am Steuer sitzenden jungen Kaziken Marcos und zwei seiner Begleiter ab, verletzte Marcos und brachte das Auto zum stehen.

Marcos Begleiter wurden mit Kopfschüssen hingerichtet, er selber konnte verletzt fliehen und tauchte einen Tag lang unter. Als er ins Dorf zurückkehrte, hatten „seine Xukuru von Ororubá“ bereits einen Rachefeldzug unternommen; sie schossen auf zwei ihrer eigenen Xukurus aus dem von Faziendeiros gekauften Dorf Cimbres und sie setzten dort auch vier Häuser und fünf Fahrzeuge in Brand; eines davon gehörte der Gemeinde Pesqueira. Die Angeschossenen überlebten.

Attentat auf Kazike Marcos:

Ausschnitt aus dem DOK: "Blutgetränkte Erde" 2006

https://www.charlotte-eichhorn.com/indigene-menschenrechte

2003-2006

Danach kam es  zu einer Spaltung mit dem bestochenen Xukuru-Dorf, die erst Jahre später wieder gekittet wurde. Vorerst wurde nur Kazike Marcos und 34 seiner Leute wegen Brandstiftung und Unruhestörung angeklagt: 

Kazike Marcos:

"Bei den Verhandlungen hat man mich beschimpft, mich einen Drogendealer genannt, mich mit niedrigsten Formen der Agression behandelt, die ein brasilianischer Bürger je erfahren kann. Dabei habe ich mich nach dem Überfall nur verletzt in Sicherheit gebracht, tauchte ab. Als ich ins Reservat zurückkam, hatten meine Leute den Überfall bereits gerächt, ich habe mich nicht beteiligt. Das alles geschah damals gleichzeitig zur Planung des Wallfahrts-Tourismus auf unserem Land."

Urteil 2003:

Kazike Marcos Luídson de Araújo wurde 2003 von lokalen Gesetzgebern und deren Hintermännern beschuldigt und verurteilt, eine halbe Stunde vor seinem "eigenen" Attentat  "Brandstiftung und Unruhestörung" in einem Dorf innerhalb des Xukuru Territoriums begangen zu haben. Der lokale Richter verurteilte Marcos und 34 weitere seiner Xukuru wegen Brandstiftung. (Artikel 250 des brasilianischen Strafgesetzbuchs) Marcos konnte gegen das Urteil vor Ort keine Einsprache erheben, aber wenigstens wurde die Strafe in Sozialleistungen umgewandelt.

Nur Kazike Marcos wurde gleichzeitig auch noch nach einem Gesetz namens "Ficha Limpa" zu 10 Jahren politischem Ausschluss (Verbot) verdonnert. Ein nationales gesetzliches Instrument, das eigentlich geschaffen wurde, um in Korruptionsfällen ein politisches Amt eines Verurteilten zu verhindern. Die  Auslegung wurde  dem Willen der Faziendeiros angepasst, das Politik-Verbot von wegen "Brandstiftung und Unruhestörung" war eine reine Willkür. 

 

2004 wurde der von den Faziendeiros gekaufte Xukuru-Mörder für nur einen Mord an Kazike Marcos Begleiter zu 12 Jahren und 3 Monaten verurteilt, der zweite Mord blieb ungestraft. Ungesühnt auch der Attentatsversuch am Kaziken Marcos; das wurde im Urteil nicht einmal erwähnt, nicht weiter untersucht.

"Das alles geschah damals gleichzeitig zur Planung des Wallfahrts-Tourismus auf unserem Land."

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2003

Die interamerikanische Menschenrechtskommission hat interveniert, weil der Staat die Rechtsprechung gegen die Xukuru missbraucht hat.

Berufungsurteil der interamerikanischen

2018 hat die Berufungs-Klage, die die Xukuru bei der interamerikanischen Menschenrechtskommission eingereicht haben, Erfolg gezeigt; diese hat den brasilianischen Mitglied-Staat verurteilt (Report NO 44/15 , CASE 12.728), weil er die Rechtsprechung gegen die Xukuru missbraucht hat.

                                              Menschenrechtskommission:

Diese wies den brasilianischen Staat darauf hin, dass dieser für die Sicherheit des Lebens von Kazike Marcos verantwortlich ist. Die brasilianische Bundesregierung sollte im Februar 2020 auf deren Beschluss hin eine Million Dollar im Namen des Xukuru Reservates hinterlegen. Der brasilianischen Regierung wurde eineinhalb Jahre Zeit eingeräumt, um die letzten 45 Faziendeiros, die noch immer Xukuruland besetzen, zu entschädigen wenn sie wegziehen.

Bis anhin ist unter dem rechtspopulistischen Regime Bolsonaros nichts geschehen.

Wichtige Mitglieder der Xukuru leben auch heute noch gefährlich: João Natalício Xukuru-Kariri wurde 2016 außerhalb seiner Wohnung erstochen. Keine Untersuchungen, ... ungeklärt...

Die Menschenrechtskommission wies den brasilianischen Staat darauf hin, dass dieser für die Sicherheit des Lebens von Kazike Marcos verantwortlich ist.

Die von den Wählern abgesetzte Bürgermeisterin Maria José hat den Kaziken Marcos erst nach verlorener Wahl eingeklagt.

Kontroverse Auslegung der "Ficha Limpa"

                                          und weitere drohende Gesetzesentwürfe 

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Die Gegnerin Kazike Marcos im Streit um das Bürgermeisteramt und seine politische Agenda, ist die alte Bürgermeisterin Maria José. Nicht von ungefähr ist sie die Ehefrau des ehemaligen Bürgermeisters von 2002, der damals zu den treibenden Kräften um die Durchsetzung des religiösen Tourismusprogramms gehörte.

Kazike Marcos hat zwar legal das Rennen um das Amt des Bürgermeisters gewonnen, aber die Verliererin Maria José hat ihn als nicht wählbar eingeklagt, ironischerweise erst nach seinem Sieg. Sie behauptet nun, sie handle im Einklang mit dem Gesetz:

"Die Unwählbarkeit des Herrn Marcos Luídson de Araújo ist auf seine Verurteilung durch den Bundesrichter wegen Brandstiftung in einem Wohnhaus gegen Angehörige seiner eigenen ethnischen Gruppe zurückzuführen, die auch eine Unwählbarkeit noch acht Jahre nach Verbüssung der Strafe vorsieht“.

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2021

"Die Verteidigung des Kaziken Marcos beweist aber, dass der Straftatbestand der Brandstiftung (Artikel 250 des brasilianischen Strafgesetzbuches) nicht in den Anwendungsbereich des Gesetzes "Ficha Limpa" fällt, deren Eintragung 2013 gemäss dem Gesetz gelöscht wurde."

 

Kurz nach der Wahl Ende Nov. 2020, hat ein lokales Gericht die abgewählte Bürgermeisterin Maria José trotzdem wieder eingesetzt. Weil er vorläufig keine Chance der Korrektur des Urteils sieht, hat das Kazike Marcos akzeptiert. Ein neuer Prozess wäre zu kostenaufwendig, um an die bundesrichterliche Instanz weiter zu reichen, sich über Jahre hinziehen.

Solange der jetzige Rechtspopulist Bolsonaro im Amt bleibt, wird sich in Pesqueira die Faziendeiros begünstigende Rechtsprechung nicht ändern, da die knappe Hälfte der Bevölkerung dem rechten Lager zugewendet ist. Alt-Neu-Bürgermeisterin Maria José kann nun weiter an deren Umsetzung des religiösen Tourismusprojekt arbeiten.

Kazike Marcos bleibt somit ein offizielles politisches Amt verwehrt! Allerdings ist  Ficha Limpa" 2021 nicht sein einziges politische Problem:

2021

Wie man aus den Nachrichten entnehmen kann, engagiert sich Kazike Marcos nun auch national: In Brasilia führte er Ende August 2021 mit seinen Xukuru eine Demo von 6000 Indigenen an, um gegen die Verabschiedung  des Gesetzes "Marco Temporal" am obersten Gerichtshof zu demonstrieren.

Kazike Marcos bleibt somit ein offizielles politisches Amt verwehrt!

"Marco Temporal"  besagt, dass ein indigenes Volk nur dann das Recht auf Land - ein indigenenes Territorium - hat, wenn es nachweisen kann, dass es am 5. Oktober 1988 dort ansässig war.

Erst 1989 gegründet, wäre Kazike Marcos Xukuru-Reservat auch von der Annulierung betroffen!

 

Wenn dann auch noch das Gesetz "PL490" in der kleinen Kammer des brasilianischen Senats von den Pro-Bolsonaro-Faziendeiros durchgewunken wird, Politiker aus anderen Lagern die Abstimmung nicht mehr weiter hinauszögern können, kann das allenfalls eine Türe für die neu-alte Bürgermeisterin Maria José  öffnen; sie könnte ihre ambitionierten religiösen Tourismuspläne auf Xukuru-Land durchsetzten, sie per Gericht zwingen, 4000 Parkplätze, Hotel, Asphaltierung der Strasse und weitere Infrastrukturen in ihrem Reservat zuzulassen.     

                                                           Mehr Infos siehe:

2021

Einmal mehr ist Kazike Marcos aus Sicherheitsgründen abgetaucht, deshalb haben seine Xukuru ihre regelmässigen Protest-Demos in der Stadt Pesqueira wieder aufgenommen. Von seinem Volk unterdessen fast schon, wie sein ermordeter Vater, "heilig gesprochen" verherrlicht und verehrt, wird er trotz Polit-Verbot weiterhin ein profilierter interkultureller Politiker aus einer sich nur langsam ändernden indigenen Männerwelt sein - wenn auch kein "Heiliger"!

Wir werden schon bald wieder von ihm hören.

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