Kampf dem Müll

Kampf dem


             Müll 

Lateinamerika erstickt im Müll. Für die Politiker ist die Abfallentsorgung kein Thema, mit dem man bei Wahlen punkten kann. Das geht so weit, dass z.b. bei der Planung der Hauptstadt Brasilia die Müllkippe schlicht vergessen wurde. Firmen gehen den jeweils billigsten Weg, um ihren Müll und Abraum zu lagern und wälzen die Verantwortung für die Entsorgung auf andere ab. Auch viele Bürger gehen achtlos mit ihrem Müll um und realisieren das Problem erst, wenn einmal die Müllabfuhr streikt. Umwelterziehung an Schulen ist Fehlanzeige. Selbst das Recycling funktioniert in den meisten Ländern nur dort, wo sich private Initiativen gebildet haben.

Wie zum Beispiel im Fischerdorf Campinhos, wo der Rio Pardo auf der einen und die Meeresströmung auf der andern Seite massenweise Plastik in die Mangroven spült. Dort säubern tatkräftige Frauen die Mangroven und versuchen, die Müllschwemme einzudämmen.

Ein weitaus komplexeres Problem der Abfalllmanagements hat Brasilien mit seinen Flüssen. Entlang ihrer Läufe haben sich zahlreiche Industrien angesiedelt – Plantagen oder Minen zum Beispiel. Pestizide, Schwermetalle und anderes Gift sickern ins Grundwasser ein oder werden billig und unsachgemäss in Rückhaltebecken „geparkt“. In Zeiten des Klimawandels brechen solche Becken durch Starkregen, und giftige Lawinen bahnen sich ihren Weg in die Flüsse und vergiften über hunderte von Kilometern das Leben. So geschehen 2019 in Brumadinho und 2022 am Rio Pardo.

 

Auf Roatan vor der Küste von Honduras leben vor allem Angehörige der schwarzen Minderheit. Die Zentralregierung im fernen Tegucigalpa kümmert sich kaum um die Karibikinsel. Müll und Abwasser entwickelten sich immer mehr zum Problem, je stärker der Tourismus zunahm. Ein paar Umweltschützerinnen nahmen sich des Problems an - und besiegten dabei sogar Coca Cola.

Im Jahr 2020 produzierte in Curacao jeder Inselbewohner im Schnitt 1200 Kilogramm Müll im Jahr. Das ist dreimal so viel wie in Lateinamerika sonst üblich. Die Regierung prüft gerade, wie Müll als Rohstoff für neue Wertschöpfung genutzt werden könne; das Ziel ist eine Kreislaufwirtschaft.