Eine der wichtigsten Wasserressourcen Südamerikas.

Cerrado

Der Cerrado ist mit 45 Millionen Jahren das älteste Savannengebiet im Nordosten Brasiliens und eines der wichtigsten Ökosysteme des Landes. 

Er ist auch ein wichtiger "Wasserturm". Drei wichtige Grundwasserleitern befinden sich unter seinen Böden.

12 Flusseinzugsgebiete in Brasilien und Südamerika

(d.h. Amazonas und La Plata) kommen direkt aus den Wasserquellen des Cerrado.

Einzugsbereich Cerrado

Sein Zyklus  beeinflusst auch den Wasserhaushalt in angrenzenden Regionen wie dem Pantanal und dem Amazonas, aber er ist anfällig für Wüstenbildung aufgrund von Klimawandel, unregelmäßigen Regenfällen und einer verlängerten Trockenzeit, hohen Temperaturen und intensiver Sonneneinstrahlung. 

Üblicherweise fällt ein Grossteil der jährlichen Niederschlagsmenge von 1100 bis 1800 mm zwischen Oktober und April. Von Mai bis September herrscht Trockenzeit. Die Boden sind nährstoffarm. 

 

Fast 70% der Waldbrände in Brasilien ereignen sich im Cerrado, und mehr als die Hälfte der ursprünglichen Savannen sind bereits zerstört.

Wirtschaftliche Gier der Agroindustrie, Klimawandel und politische Gleichgültigkeit bedrohen den Cerrado.

Riesige landwirtschaftliche Monokulturen und Bergbauaktivitäten tragen zur Zerstörung bei und verschärfen die Auswirkungen des Klimawandels. Verlust der biologischen Vielfalt, der Wasserressourcen und des traditionellen Wissens sind die Folgen für den Cerrado und seine Bevölkerung.

Unter dem neofaschistischen Präsidenten Jair Bolsonaro ist es für traditionelle Völker noch schwieriger geworden, ihre Rechte durchzusetzen. Der von der Agrarlobby finanzierte und unterstützte Bolsonaro hält den Umweltschutz für ein Hindernis bei der wirtschaftlichen Erschliessung und Entwicklung Brasiliens.

 

Systematisch lockert er Umweltauflagen, schwächt die Strafen für Umweltverbrechen, leistet dem Landgrabbing Vorschub und genehmigt den Einsatz immer giftigerer Pestizide.

Schon seit 11.000 Jahren ist der Cerrado besiedelt.:

Damals haben sich Menschen vorwiegend an Orten niedergelassen, an denen es Wasser und Biodiversität gab. Zentrum der Besiedelung waren die Andenabhänge und das Cerrado-Gebiet mit seinen Wasserquellen und bis zu 2000 m hohen Bergen. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich viele indigene Gruppen an die natürlichen Bedingungen angepasst und eine nachhaltige Wirtschaftsweise entwickelt, die vor allem auf Weidewirtschaft basiert.

Nebst lokalen Höhlenmalereien zeugen ca. 80 archäologische Ausgrabungen vor allem in Minas Gerais von der frühen Besiedlung schon in der Steinzeit.

 Heinrich Hader

"Luzia" das älteste menschliche Skelett Brasiliens, wurde hier gefunden: 1975 in der Gemeinde Pedro Leopoldo in Minas Gerais. Ihr Skelett ist ca. 11.500 Jahre alt.

Lucia, ältestes menschliches Skelett, Brasilien

Der Cerrado erstreckte sich ursprünglich über zwei Millionen Quadratkilometer im Herzen Brasiliens. Er bedeckte ca. 25% des nationalen Territoriums.

Er ist Heimat von 10.000 verschiedenen Arten von Pflanzen, die Hälfte kommt nur im Cerrado vor. Die Tierwelt umfasst etwa 200 Säugetierarten, 840 Vogelarten, 180 Arten von Reptilien und 110 Amphibienarten.

Rio São Francisco, Lebensader des Cerrado

Von der Quelle bis zur Mündung durchquert der Fluss auf 2.800 km die Gebiete von 32 indigenen Völkern:

Kaxagó, Kariri-Xocó, Tingui-Botó, Akonã, Karapotó, Xocó, Katokin, Koiupanká, Karuazu, Kalankó, Pankararu, Fulni-ô, Xucuru-Kariri, Pankaiuká, Tuxá, Pipipã, Kambiwá, Kapinawá, Xukuru, Pankará, Tupan, Truká, Pankararé, Kantaruré, Atikum, Tumbalalá, Pankaru, Kiriri, Xacriabá, Kaxixó und Pataxó(2).

Ihre Zahl wird auf 70.000 geschätzt.

Ausserdem leben im Cerrado traditionelle Gemeinschaften aus dem Hochland, "Geraizeiros", und  „Quilombolas“. Hierbei handelt es sich um die Nachfahren ehemaliger Sklaven, die im 16. Jahrhundert aus Afrika nach Brasilien verschifft wurden, um auf den Zuckerrohrplantagen zu arbeiten. Entflohene Sklaven errichteten im Cerrado eigene Dörfer; sogenannte "Quilombos." 

Der Cerrado wurde bis in die 1970iger Jahre als eine wenig entwickelte und dünn besiedelte Region betrachtet. Der Staat interessierte sich wenig für die Ländereien - viel davon staatliches Brachland - die sich mächtige und skrupellose Clans als Spekulationsobjekt mit allerlei Tricks und Korruption aneigneten.

Es gab keine Strassen und keine Schnellboote. Die einzige Verbindung zwischen den Dörfern war per Schiff über den Fluss.

 

Quilombola

Charlotte Eichhorn hat noch eine Reise mit den alten Raddampfern miterlebt. 

( Diashow von 1972)

 

1972

 Stau des Rio São Francisco

1/1

In den 1970er Jahren wurde der Sao Francisco zur Energiegewinnung weiter aufgestaut. Der Unterlauf des Flusses wurde dadurch praktisch nicht mehr schiffbar. Das isolierte ganze Landstriche und verknappte das Wasser.

1/1

Indigene, wie zum Beispiel die Xakriabá, 

wurden nach dem Stau von den Ufern des São Francisco auf degradiertes und wenig fruchtbares Land "umgesiedelt".

https://pib.socioambiental.org/pt/Povo:Xakriab%c3%a1 

1/1

Traditionelle Völker wie die Quilombolas- und die Geraizeiros wurden ebenfalls vertrieben, ihre Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Gewalttätige Übergriffe  führten zu Emigration in die Favelas, die Armenviertel der Grossstädte.

Hintergrund für die Gewalt war Bodenspekulation. Das so freigewordene Land wurde an nationale und internationale Investoren verscherbelt.

 

Der Abbau von Bodenschätzen begann. Die Bergbau-Abfälle, vor allem der giftige Schlamm, wird nicht sachgerecht gelagert und entsorgt. Das führt regelmässig zu Umweltkatastrophen wie dem Dammbruch in Brumadinho.

(z.B:  https://www.youtube.com/watch?v=FvmLmMIxDjk )

 

Mit der Modernisierung der Landwirtschaft ab den 70iger Jahren drangen auch Grossbauern in den Cerrado vor. Sein Land und Wasser interessiert vor allem Produzenten von Soja, Eukalyptus, Zuckerrohr, 

Kaffee- und Obstplantagen. Dünger und künstliche Bewässerung sind Grundlage der Produktion.

Monokulturen

z.B. Eukalyptus

Der auch auf kargem Boden schnell wachsende Eukalyptus ist eines der beliebten Produkte im Cerrado. Er wird zu Billig-Cellulose verarbeitet, und vor allem als Toilettenpapier und Papiertaschentücher  nach Europa exportiert. Ausserdem dient er als billige Energiequelle und wird zu Holzkohle verarbeitet. Seine tiefen Wurzeln zapfen das Grundwasser an.

 

In der Folge sinkt der Grundwasserspiegel. Ganzen Landstrichen, die an die Plantagen angrenzen, wird das Wasser entzogen.

1/1

siehe 1. Video:

An zwei Kanalsystemen baut die brasilianische Bundesregierung seit mehr als einem Jahrzehnt. Zum einen wird Wasser aus dem Rio São Francisco nach  Nordosten umgeleitet, um dort die Dürre zu mildern.

 

Zum Anderen droht dem Rio Pardo ein ähnliches Schicksal um den Abbau von Mineralien zu sichern. 

Ein ehrgeiziges Megaprojekt;         

die "Verlegung" des Rio São Francisco.

1/1

Ist der Rio Pardo noch zu retten?

Minas Gerais

Eine Bestandesaufnahme:

Länge: 565 km

Flusseinzugsgebiet: 32.334 km² (ca. Grösse von NRW o. 2/3 der CH) 

Bevölkerung: ca. 260.000

Die Geraizeiro-Gemeinschaften am Oberlauf des Rio Pardo sind dem starkem Druck der Forstindustrie ausgesetzt. Im mittleren Teil sind es die Kaffeplantagen, und im Mündungsgebiet die Kakao-Plantagen. Allenthalben kämpfen traditionelle Anrainer um Rückgewinnung und Schutz ihrer Territorien. Ihr Widerstand wird auch als Umweltbewegung der Armen bezeichnet.

 

Einige gründeten "Assentamentos"- kleinbäuerliche, kollektive Gemeinschaften - die gegen Monokulturen kämpfen oder sich für Ressourcenschutzgebiete einsetzen. 

Momentan ist der Flusslauf ein riesiges Patchwork mit unterschiedlichen Schutz- und Nutzungsrechten. Im Quellgebiet des Rio Pardo stehen einige Höhenzüge bereits unter staatlichem Naturschutz. Wälder und Taleinschnitte geniessen als traditionelle Sammel- und Jagdgebiete einen Sonderstatus. An der Flussmündung konnten Mangroven und das Meer unter Schutz gestellt werden. Die Erklärung zu diesem "RESEX " geht einher mit einem Bleiberecht und bestimmten, nachhaltigen Anbau- und Nutzungsmethoden. Doch dazwischenliegende Monokulturen und Minen bedrohen das Überleben dieser Schutzgebiete. Deshalb wollen die Anwohner einen ganzheitlichen Schutz für den Rio Pardo.