
Kampf dem
Agrotox & Plastik- Müll
Südamerika erstickt im Müll. Für die Politiker ist die Abfallentsorgung kein Thema, mit dem man bei Wahlen punkten kann. Das geht so weit, dass z.b. bei der Planung der Hauptstadt Brasilia die Müllkippe schlicht vergessen wurde. Firmen gehen den jeweils billigsten Weg, um ihren Müll und Abraum zu lagern und wälzen die Verantwortung für die Entsorgung auf andere ab. Auch viele Bürger gehen achtlos mit ihrem Müll um und realisieren das Problem erst, wenn einmal die Müllabfuhr streikt. Umwelterziehung an Schulen ist Fehlanzeige. Selbst das Recycling funktioniert in den meisten Ländern nur dort, wo sich private Initiativen gebildet haben.
Im Fischerdorf Campinhos spült der Rio Pardo auf der einen und die Meeresströmung auf der anderen Seite massenhaft Plastik in die Mangroven. Dort reinigen engagierte Frauen die Mangroven und kämpfen gegen die Müllflut.
Entlang der brasilianischen Flüsse haben sich Industrien, Plantagen und Minen angesiedelt, die Pestizide und Giftstoffe ins Grundwasser leiten. Bei Starkregen brechen Rückhaltebecken und verschmutzen die Flüsse, was das Leben über Hunderte von Kilometern vergiftet.
Im Jahr 2020 produzierte in Curacao jeder Inselbewohner im Schnitt 1200 Kilogramm Müll im Jahr. Das ist dreimal so viel wie in Lateinamerika sonst üblich. Die Regierung prüft gerade, wie Müll als Rohstoff für neue Wertschöpfung genutzt werden könne; das Ziel ist eine Kreislaufwirtschaft.
Auf Roatan, Honduras, ignoriert die zentrale Regierung in Tegucigalpa die Insel, während Müll und Abwasser mit dem zunehmenden Tourismus zum Problem werden. Einige Umweltschützerinnen kämpften dagegen und besiegten sogar Coca Cola.



Sandra Weiss und Charlotte Eichhorn leben und recherchieren seit vielen Jahren in Lateinamerika. In ihren Reportagen tauchen sie ein in ganz andere Lebenswelten. Sie sind nah dran - und begleiten ihre Protagonist*innen zum Teil über Jahrzehnte. Daraus entstehen facettenreiche Langzeit-Beobachtungen.
Ihre Reportagen legen Zeugnis ab von der Modernisierung und Globalisierung Südamerikas aus Sicht der betroffenen Menschen. Die Geschichten schildern die dabei entstandenen Verwerfungen und Probleme genauso wie erfolgreichen Widerstand und originelle Alternativen. Deshalb sind sie ein ebenso eindrücklicher wie nachdenklicher Appell an unsere westliche Zivilisation.



