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 "RESEX" 
                         gescheitertes Experiment ?

Seit 2012 plant die Internationale Gemeinschaft im Rahmen der UNO, weltweit 10 Prozent der gesamten Meeresoberfläche im Rahmen des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD) zum Meeresschutzgebiet zu erklären. So sollen alle geographisch und biologisch bedeutsamen Lebensräume und Arten exemplarisch geschützt werden. Die Verwaltung dieser Schutzgebiete soll weltweit juristisch organisiert werden und auf Selbstverwaltung (community-based management) mit staatlicher Kontrolle basieren. Momentan ist dieses Ziel noch weit entfernt.   

 

Gründe dafür sind die starken wirtschaftlichen Gegeninteressen der Industriefischerei und vor allem fehlende juristische Mechanismen. Staaten haben nur Rechtsbefugnisse bis zu einer 200 Meilen von der Küste entfernten Zone, der sogenannten Ausschliesslichen Wirtschaftszone. Jenseits beginnt die Hohe See. Auf ihr gilt für alle Länder freie Schifffahrt, frei Fischerei, Freiheit zur Forschung und militärische Übungen in Friedenszeiten.

In Brasilien wurde in den 90er Jahren begonnen, wichtige natürliche Ressourcen gemeinschaftlich durch Staat und Nutzer zu verwalten. Das erste *RESEX* wurde 1990 in Amazonien eingerichtet, dank der internationalen Mobilisierung um Chico Mendes, der die Kautschukarbeiter im Bundesstaat Acre vertrat. Allerdings wurde er vor Inkrafttreten durch Großgrundbesitzer ermordet und laut neusten Berichten ist. Chico Mendes "RESEX" in Amazonien ist auch in Gefahr, aufgelöst zu werden. 

 

 

Es bleibt abzuwarten was passiert, nachdem der neu-alte Staatschef Lula am COP27 die Reinstalliation von Umweltschutz in Brasilien versprochen hat.

In Prainha do Cante Verde, wurde das RESEX 2009 von dem damaligen und neuen Präsidenten Lula abgesegnet, aber heutzutage stellt sich die Frage; ist eine Naturschutzzone des Meeres ohne Langusten, ohne Nachwuchsfischer in Prainha überhaupt noch zeitgemäss?

Prainha do Canto Verde -

             ein Land- und Meeresreservat  ("RESEX" - Reserva Extrativista)

Meeresreservat

Landreservat

Die Probleme fingen mit der Gründung des "RESEX" an

Schon bei der generellen Gründung der an die 100 "RESEX" in ganz Brasilien ist laut dem deutsch-brasilianischen Agronom Uli Ide der weiter südlich in Bahia auch in einem "RESEX" wohnt, schon einiges schief gelaufen.

Erstellt fest, dass:

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1.

Bei den "RESEX" Gründung generell viele Einwohner nicht gewusst oder zumindest nicht realisiert haben, dass ausser dem Meer auch noch das Land einbezogen wird.

2.

Dass viele Anwohner damals nicht realisiert haben, wie sehr die Landfrage ihre Gemeinschaft spalten würde

3.

Was passieren würde, wenn die Jugend mit besserer Schulbildung keine Fischer mehr sein wollen. Das wirft die Frage auf; ist eine Naturschutzzone für Langusten-Fischerei in Prainha überhaupt noch zeitgemäss?

Uli Ide

Agronom,

pensioniert, wohnt im "RESEX" Canavieiras in Bahia.

Er hat Jahrzehnte lang in Südamerika mit Schwerpunkt Brasilien für internationale NGO's gearbeitet.

Uli Ide: Podcast RESEX_Uli Ide, Agronom, Brasilien
00:00 / 05:26

Einige der Bewohner in Prainha äussern heute, dass sie damals bei der Abstimmung ob sie ein "RESEX" wollen, nicht gewusst haben, dass das Dorf, die Dünen, das Land generell miteinbezogen wird.

In Prainha do Cante Verde hat sich das Krisengebiet weg vom Meer auf die Landfrage verlagert.

Ganze Magisterarbeit von © Carolin Brugger

Dies hat schon 2009  die deutsche Ethnologin Carolin Brugger in ihrer Arbeit über Prainha hinterfragt und die vielen NGO Gelder, -vor allem aus der Schweiz,- die nach Prainha strömten als fragwürdig betrachtet und die  Machtverhältnisse in und um Prainha do Canto Verde nicht nur zu deren Gunsten beschrieben.(Quote Magisterarbeit)

"Obwohl die vom Einwohnerverein und von der Kooperative angestrebte Modalität die kompensatorische Macht ist, hängt es vom Empfinden der betroffenen Personen ab, wie die Macht definiert wird. Während manche EinwohnerInnen – vor allem die Mitglieder dieser Organisationen – die Gesetze der associação zum Thema Landbesitz völlig akzeptieren und als Norm verinnerlicht haben, fühlen sich andere dazu gezwungen, Regeln und Tatsachen zu akzeptieren, die sie nicht unterstützen und wieder andere halten sich gar nicht erst an das selbst gestrickte Regelwerk des Einwohnervereins."(2009 - Caroline Brunner)